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Wenn die biologische Uhr immer lauter tickt

Jüngere Frauen schön und gut, aber irgendwann wollen sie ein Kind

Text: Wilhelm Bauer

… Wenn man darüber nachdenkt, ob man sich fortpflanzen soll oder nicht, gehen einem viele Dinge durch den Kopf. Bei mir war es unter anderem die Geschichte meines Freundes Frank. Frank ist mein ältester Freund. Kennengelernt haben wir uns vor rund 30 Jahren, als er mit meiner Schwester zusammen war. Nach der Trennung der beiden hatten wir uns eine Zeit lang aus den Augen verloren und Jahre später, durch Zufall, in der  Technischen Universität Wien wiedergetroffen.

Frank ist Perfektionist. Als ich zum ersten Mal die Wohnung von Frank betrat, bemerkte ich die vielen ungewöhnlichen Möbel. »Alles selbst gebaut«, erklärte er stolz. »Heutzutage bekommt man in Möbelhäusern nur Billigware. Tische mit schiefen Beinen, knarrende Betten, das kann ich besser«, meinte er. Mag sein, wenn Zeit keine Rolle spielt. Denn für eine Treppe im Haus seines Vaters in Kärnten brauchte Frank mehrere Monate. Jeder Winkel, jede Stufe, jede Biegung wurden genauestens berechnet, vermessen und gehobelt. Trotzdem jammert er bei jedem Auf- oder Abstieg über die Unzulänglichkeit seines Werkes. Hier sei das Holz nicht schön gemasert, dort habe er sich um einen halben Millimeter verrechnet, und die letzte Stufe sei überhaupt komplett schief. Er konnte einem leidtun.

Leseprobe aus »Vater mit 50. Spätes Kinderglück und bange Fragen« von Wilhelm Bauer

Eines Tages erklärte er mir, dass er niemals Vater werden wolle. Einfach deshalb, weil die Erziehung eines Kindes etwas höchst Schwieriges und Kompliziertes sei und er im Vorhinein wisse, dass er niemals der perfekte Vater sein könne. Ehrlich und offen hat er seine Einstellung jeder neuen Freundin von Anfang an erklärt. Dabei wiederholte sich mehrmals Folgendes: Am Anfang war Franks Fortpflanzungsverweigerung für die Freundin kein Problem. Viele junge Frauen denken am Anfang nicht an Kinder. Partnerschaft, Karriere, Reisen, Beruf stehen im Vordergrund. Nach ein paar Jahren einträglicher Beziehung änderte sich das jedoch, die biologische Uhr begann zu ticken. Erst ganz leise, dann immer lauter und lauter, bis die bis dahin einträchtigen Beziehungen meines Freundes auseinanderbrachen. Die jungen Frauen sahen plötzlich in Franks Weigerung, sich fortzupflanzen, ein unüberwindliches Beziehungshindernis und suchten sich ‒manche erschreckend rasch ‒ zeugungswilligere Partner. Eine Ex-Freundin war bereits wenige Wochen nach der Trennung von Frank von einem anderen schwanger.

Mit dieser Geschichte will ich nicht sagen, dass ich mich nur deshalb zur Vaterschaft entschloss, um meine Beziehung nicht zu riskieren. Trotz allem hat das Schicksal meines Freundes mir doch zu denken gegeben.

Das ist eine Leseprobe aus:
»Vater mit 50. Spätes Kinderglück & bange Fragen. Ein vergnügter Bericht«
120 Seiten, Klappenbroschur, 9.90 Euro. Jetzt im Handel. Oder direkt bestellen in unserem Online-Shop bzw. via  post@seitenstrassenverlag.de

Über den Autor:
Wilhelm Bauer schreibt und filmt. Er ist – mit Kind auf dem Arm – Meister der lässigen Einhandbedienung, hat sich für sein Baby ein DVD-Quiz ausgedacht, kocht begnadet und lebt mit seiner Familie im Burgenland und in Wien.

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