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Flaschenpost: das Grab von Wolfgang Herrndorf

Für Fans sind es Wallfahrtsorte, für Spaziergänger interessante Stationen: die Gräber von Prominenten. Die Ruhestätte von Wolfgang Herrndorf (»Tschick«) auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin macht besonders neugierig. Ach so: Für größere Bilder bitte die Fotos anklicken

Text & Fotos: Manuela Thieme

Ausführliche Informationen über das Leben und die Bücher Wolfgang Herrndorfs gibt’s hier:

Anfangs war das Grab von Wolfgang Herrndorf nur etwas für Insider: Allein die Initialen und die Lebensdaten 1965-2013 stehen auf dem rostigen, schroffigen Gedenkkreuz, dass nach der Bestattung aufgestellt wurde. Anderthalb Jahre später gesellte sich dann ein respektabler Grabstein dazu. Wie für das Werk des Autors gilt nun auch hier: vom Außenseiter zum Klassiker. Da das Kreuz noch steht, wenn auch manchmal wild umrankt, sind beide Varianten seines Lebens am Ende sinnbildlich vereint.

Ist das letzte Wort eines Autors sein Grab? Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin kann man sich über diese und andere abschweifende Fragen so seine Gedanken machen. Unser Verlagsbüro befindet sich drei Minuten davon entfernt, insofern sind wir öfter dort. Viele bekannte Politiker, Wissenschaftler, Künstler wurden dort bestattet. Das Grab von Wolfgang Herrndorf (1965-2013) hat es uns besonders angetan.

Zum einen haben wir seine Bücher schon gemocht, als er noch kein gefeierter Autor war (also in den Zeiten von »In Plüschgewittern« und »Diesseits des Van-Allen-Gürtels«), zudem hat er in der Zeitschrift, die wir mal herausgegeben haben, einen saukomischen Text veröffentlicht: »Die Rosenbaum-Doktrin«. Die Geschichte der Weltraumfahrt als intelligente Satire. Und der gute Herrndorf war auch mal auf einer unserer Lesungen. Autoren, die sich andere Autoren anhören, die nicht zu ihrem Aktions- und Freundeskreis zählen, sind nun wirklich keine Selbstverständlichkeit. Jedenfalls ist er uns irgendwie nah, auf jeden Fall näher, als viele andere Prominente, die auf diesem Ehrenfriedhof mitten in Berlin in Ewigkeit vereint sind.

Das Grab von Wolfgang Herrndorf wirkt auf seine Art gesellig, obwohl wir dort noch nie jemanden angetroffen haben. Aber immer, wenn man wieder vorbeikommt, hat sich etwas verändert. Flaschen werden hin- und hergeräumt, Blumen neu arrangiert, Steine und andere Botschaften hinterlassen – à la »Ich war hier und hab an dich gedacht«. Über das Ritual dieser stummen Zeichen hat Herrndorf übrigens in seinem letzten Buchfragment geschrieben (»Bilder deiner großen Liebe«). Aber lesen Sie selbst …

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