Napoleons Rosen

Text: André Meier

Nehmen wir nur einmal Gott. Wenn man Moses glauben darf, und warum sollten wir das nicht, war der Garten das Erste, was der Herr schuf, nachdem er Adam aus einem Erdkloß geknetet hatte. An­schließend kümmerte er sich um den Baum­be­stand und die Bewässerung. Dann kam eine Weile nix und dann, man kennt die Geschichte, Eva, die erste Frau. Der allerdings fällt nichts Besseres ein, als das ihr von Gott geschenkte »All-Inclusive-Pa­ra­dies-Paket« gegen einen Apfel und die simple Erkennt­nis einzutauschen, dass sie etwas zum Anziehen braucht. Was folgt, ist eine himmlische Stand­pau­ke und der Rausschmiss aus dem Garten Eden.
Ungerechterweise trifft der Zorn Gottes auch ihren Mann. Adam kann sich zwar fortan mit Sex über den Verlust seiner Unsterblichkeit hinwegtrösten, ist dazu aber leider immer seltener in der Lage. Schließlich muss er sich tagsüber auf Geheiß des Herrn, im Schweiße seines Angesichts zum Zwecke des Broterwerbs mit Disteln und Dornen auf unfruchtbaren Äckern herumärgern.
Frau hat also jede Menge gutzumachen. Was viel­leicht auch erklärt, warum in der Vergan­gen­heit alle wirklich ernsthaften Versuche, den verlorenen Garten Eden wiederauferstehen zu lassen, weiblichen Ursprungs sind. Die Hängenden Gärten von Babylon, immerhin eines der sieben Weltwunder, werden der altorientalischen Königin Semiramis zugeschrieben.
Oder – um mit einem populäreren Namen zu kommen – Napoleon. Gut, der war ein Mann. Al­ler­dings hatte der Kaiser der Franzosen mit Joséphine de Beauharnais eine Gattin, die als Blumenlieb­ha­be­rin Gartengeschichte schrieb. Vor den Mauern von Schloss Malmaison ließ sie über 250 verschiedene Rosensorten pflanzen und schuf so eines der weltweit ersten Rosarien.
Die Deutsche Bank prahlte kürzlich damit, dass sie dem Botanischen Museum Berlin ein 150 000 Eu­­ro teures Buch über Napoleons Garten überlassen hat. Gemeint war natürlich der Garten von Jo­sé­phine. Sie ließ vor über 200 Jahren ihre schöns­ten Pflanzen von Künstlerhand porträtieren und in einer Kleinstauflage in einem Buch verewigen.
Napoleon hat mit der ganzen Geschichte nur in­sofern etwas zu tun, als dass er das von der Deut­schen Bank gestiftete Exemplar 1810 dem österrei­chi­schen Kaiser schenkte. Als kleines Danke­schön dafür, dass der Habsburger ihm seine Lieb­­lings­toch­ter zu Fortpflanzungszwecken überlassen hatte.
Napoleon wollte sich bei seinem neuen Schwie­ger­va­ter ausgerechnet mit einem Werk einschmeicheln, von dessen Herausgeberin er sich nur wenige Monate zuvor hatte scheiden lassen. Und das nur, weil ihm die sechs Jahre ältere Joséphine keinen Thronfolger mehr schenken konnte.
Wenigstens durfte sie nach der Trennung ihren Rosengarten behalten, während Napoleon voll auf die Nase fiel. Zwar bekam er einen Sohn, verlor aber dafür sein Reich. Der Schwiegervater in Wien verbündete sich mit Russen, Preußen und Englän­dern und sorgte so dafür, dass Napoleon am Ende auf der unwirtlichen Atlantikinsel St. Helena landete. Wo er bis ans Ende seiner Tage – und damit schließt sich der Kreis – auf einem Acker mit Dor­nen und Disteln kämpfen musste. Ohne Sex.

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