Im Treibergelände

 Über Senioren und Computer

Text: Stefan Schwarz

Eigentlich bin ich zu jung für diesen Satz, aber es muss heraus: Das wa­ren noch Zeiten, als man seine Schwie­gereltern besuchte und ei­nen schon im Flur der friedliche Duft eines gedeckten Kaffeetisches begrüßte. Heute begrüßt einen die Schwieger­mut­ter mit einem herzlich geflüsterten: »Aber du hilfst mir doch nachher noch mal bei der Einrichtung des neuen W-Lans?«

Damit nicht genug: Schwie­ger­vater hat seine Daten verlegt. Wenn Schwie­ger­vater seine Brille verlegte, gab es dank übersichtlicher Tagesroutinen etwa drei, maximal vier Stel­len, wo sie sein könnte. Aber bei Daten? Wo mag er sie nur hingeklickt haben? Schwiegervaters Hand ist groß und stark. Er kann damit angedrillte Welse an Land schmeißen. Aber damit eine schmale Com­pu­termaus bedienen? Eine, die schon klickt, wenn man sie streng anguckt? Schwiegervaters Einga­be­gerät sollte ein Holzkasten sein, derb wie ein Stie­fel­knecht, mit Rollschuhrollen unten dran und mit einer Matratzenfeder innen drin. Dann würde er sich nicht mehr verklicken.
Wir teilen uns auf.

Mei­ne Frau, der größeren psy­chologischen Einfüh­lung halber, steigt mit Schwie­­ger­va­ter durchs Haus. Ich darf ne­ben Schwie­ger­mut­ti am Kü­chen­­­tisch Platz nehmen. »Geht ganz schnell«, versichert Schwie­germut­ter, »ich habe doch jetzt die­ses Win­dows acht. Und du kennst dich doch mit so was aus …« Was sie nicht weiß: Ich kenne absolut niemanden, der sich mit Windows 8 auskennt. Funk­tionsfähiges Windows 8 kenne ich nur als Fernseh­werbung. Aber derlei Aus­reden kann ich mir nicht leisten. Sonst be­kommt meine Frau nachher wieder diesen »Ach, hättest du doch nur den Gernot genommen! Der hätte sich bestimmt ausgekannt«-Blick zugeworfen.

Um es gleich zu sagen: Ich habe nichts gegen alte Menschen an neuen Computern. Im Gegenteil. Im Allgemeinen sind Ost-Rentner für die Einrich­tungs­routinen eines neuen Computers besser ge­eignet als sonst jemand. Wer früher Spargel gegen Vorschalldämpferkrümmer und Vorschalldämp­fer­krümmer gegen Fliesen getauscht hat und äußerst verschlossene Handwerkerkalender mit einem Pfund Räucheraal zum Aufklappen bringen konnte, der kann auch den kafkaesken Anweisun­gen eines Einrichtungsassistenten folgen …

schwarz_scheidung_978-3937088112Weiterlesen

Den kompletten Text und noch viel mehr von Stefan Schwarz finden Sie in »Wir sollten uns auch mal scheiden lassen. Szenen eines vollkommen unveganen Liebeslebens«, Seitenstraßen Verlag, 36 Kurzgeschichten, 128 Seiten, 9.90 Euro. Versandkostenfrei im Online-Shop bestellen oder als eBook kaufen.
 

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