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Ärger mit dem Saboteur

Text: Anja Baum

Zerknirscht kehre ich vom morgendlichen Ausflug mit unserer betagten Hündin zurück. Nor­malerweise hebt der betuliche Frischluftgang die Stimmung. Seit aber die Wildhecke am Wegesrand einer bauwütigen Biberfamilie als Materiallager dient, drückt es aufs Gemüt wie ein norddeutsches Langzeittief. Woche für Woche muss  ein Baum sein Leben lassen, um kopfüber im Meliorationsgraben zu landen und dort als Wintervorrat wie Bircher Müs­li zu weichen. Offenbar sind alle Flussränder im Kreis bereits von anderen Biberfamilien besetzt, sodass sich de­ren wohnungssuchender Nachwuchs nun schon auf die Ackerrinnsale rund um unsere Landhaus­idylle  stürzt.

»Und man kann da gar nichts tun?«, klage ich am Frühstückstisch dem Neubauer mein Unbe­ha­gen. Wenn der so weitermacht, dann ist hier in Kür­ze alles weggeraspelt, kein Baum – nirgends. »Doch«, sagt der Mann, während er mit einem gezielten Messerhieb das Ei köpft, »geh zum Nach­barn, der hat ein Gewehr.« Ich halte das für keine gute Idee. Sofort stelle ich mir vor, wie kampferprobte Tierschützer vor unserem Gartentor »Biber-Mörder, Biber-Mörderin!!« skandieren. Sie würden uns mit Farbbeuteln be­werfen, als stolzierten wir hier im Biberpelz herum. Nein, mit Gewalt kommen wir da nicht weiter.

Noch hat der deutsche Biber eine starke Lobby. Was daran liegt, dass er hierzulande als Inkarnation des fleißigen Handwerkers gilt. Während der schwäbische Fuchs die Finanzierung regelt, suggeriert der Biber dem potenziellen Häuslebauer, dass sich jeder sein eigenes Dach überm Kopf zimmern kann, vorausgesetzt, er ist noch nicht auf einen Zahnersatz an­gewiesen. Doch dieses Image ist ein fataler Irrtum. Der Biber ist im Grunde der Ur-Feind des Siedlers. Er krempelt alles um und wird auf der Suche nach bezugsfähigen Wasseradern auch nicht vor unserer biologischen Kläranlage haltmachen, wenn über kurz oder lang der nächste Schwung Jungbiber – immerhin zwei pro Jahr – aus der Burg geworfen wird. Bis zu den Weichholzbalken unserer neuen Sommerterrasse sind es dann nur noch drei Schwanz­längen.

Diese Gefahren habe schon Friedrich der Große erkannt, belehrt mich mein Mann, im Dotter stochernd. Deshalb befahl er die Ausrottung des Sa­bo­teurs, als er halb Brandenburg entsumpfen ließ.  Der wollte sich seine schönen Entwässe­rungs­anlagen nicht gleich wieder verstopfen lassen, und das Fleisch bereicherte den Speiseplan der Unter­tanen. Das Tier wurde sogar als Fisch etikettiert, damit der Biber während der Fastenzeit weiter auf den Tisch kommen konnte. Heute genügt es vielleicht, seine alten natürlichen Feinde zu reaktivieren. Den Luchs und den Wolf.  Ansonsten würde es mich nicht wundern, wenn mein Mann die Wiederbewaffnung der wasser­nahen Landbevölkerung einklagt.

Von Anja Baum und André Meier gibt es zwei Bücher über ihr Landleben: »Hollerbusch statt Hindukusch« und »Die kleiner Ausstegerfibel«. Sie können die Bücher bei uns direkt und versandkostenfrei bestellen.

 

 

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