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Vater werden ist doch schwer

Als die Liebste plötzlich an meiner Zeugungsfähigkeit zweifelt

Text: Wilhlm Bauer

Sex ist etwas Schönes. Man liebt sich, hat Sex, ein Kind entsteht … Doch bei mir begann alles mit einem Ärgernis. Meine Zeugungsfähigkeit wurde nämlich angezweifelt! Die Argumente: Ich wäre nicht mehr der Jüngste, rauche Zigarren und trinke gerne Alkohol. All das würde einer erfolgreichen Zeugung vielleicht im Wege stehen. Selbst mein Einwand, dass ich diese Laster schon früher hatte und trotzdem Vater einer gesunden Tochter wurde, nützte nichts. Das wäre 25 Jahre her, also eine halbe Ewigkeit, meinte meine Freundin. Die einzige Möglichkeit, meine »Ehre« wieder herzustellen, wäre ein Spermiogramm.

Ich kenne ein Gramm, ein Diagramm, auch ein Piktogramm, aber ein Spermiogramm? Zumindest hatte ich schon eine schlimme Vorahnung, die via Wikipedia bestätigt wurde. »Ein Spermiogramm ist das Ergebnis einer Ejakulat-Analyse und dient der Beurteilung der Zeugungsfähigkeit des Mannes«, stand dort zu lesen.

Leseprobe aus »Vater mit 50. Spätes Kinderglück und bange Fragen« von Wilhelm Bauer

Wenn man wie ich ein romantischer Typ ist, treibt einem schon alleine die Vorstellung, im Hinterzimmer eines Arztes, in Hörweite der gestrengen Sprechstundenhilfe, ein Ejakulat in einen Becher abgeben zu müssen, den Angstschweiß auf die Stirn. Davon abgesehen, würde das in dieser nüchternen Umgebung gar nicht funktionieren. Der Becher bliebe leer, meine Zeugungsfähigkeit ungewiss. Doch zum Glück gab es in unserer Kinderwunschklinik auch ein Spermiogramm mit »Ejakulat to go«! Mein Mitbringsel sollte ich zum Frischhalten in Alufolie wickeln. Die Analyse trudelte wenige Tage später in meinem E-Mail-Postfach ein. Doch was ich dort las, verschlug mir glatt die Sprache. Ein Großteil meiner Spermien war tot, abnorm oder degeneriert. Welch hässliche Worte! Zwar wurde ich in einem Beiblatt aufgeklärt, dass eine gewisse »Streuung« völlig normal sei, trotzdem machte mich das Ergebnis ziemlich nachdenklich, und ich beschloss, es vorerst für mich zu behalten – zumindest bis zum gemeinsamen Besuch beim Gynäkologen.

Der Gynäkologe war in meinem Alter und sehr sympathisch. Mit viel Routine und fachlicher Kompetenz erklärte er der entsetzten Möchtegern-Mutter die vielen roten Zahlen in meinem Spermiogramm. Alles wäre altersbedingt völlig normal, und für eine erfolgreiche Zeugung bräuchte ich bloß ein paar Vitamintabletten. Solidarität unter Männern ist doch etwas Tolles.

Was er dann sagte, machte mich allerdings stutzig. Wichtig wäre der richtige Zeitpunkt. Es würde sich ein winziges Zeitfenster auftun, das wir unbedingt nützen müssten.

 

Das ist eine Leseprobe aus:
»Vater mit 50. Spätes Kinderglück & bange Fragen. Ein vergnügter Bericht«
120 Seiten, Klappenbroschur, 9.90 Euro. Jetzt im Handel. Oder direkt bestellen in unserem Online-Shop bzw. via  post@seitenstrassenverlag.de

Über den Autor:
Wilhelm Bauer schreibt und filmt. Er ist – mit Kind auf dem Arm – Meister der lässigen Einhandbedienung, hat sich für sein Baby ein DVD-Quiz ausgedacht, kocht begnadet und lebt mit seiner Familie im Burgenland und in Wien.

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